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Pressestimmen

"Hinzu kam eine Klarheit in der Phrasierung, die oft einen wunderbar schwingenden Charakter ermöglichte. Die Allegro-Sätze dagegen waren von einer geradezu stupenden technischen Makellosigkeit getragen, die nicht bei bloßer Virtuosität stehenblieb, sondern diese einer sinngebenden Musikalität unterordnete." (Süddeutsche Zeitung 2011)

"Im Allegro bewies die Musikerin, wie man mit geradezu atemberaubender Fingerfertigkeit und Treffsicherheit nicht nur hohe Präzision des Spiels, sondern auch musikalische Virtuosität von ihrer schönsten Seite hörbar machen kann. (...) Ausdrucksvolle Kantilenen waren im Grave in einen musikalischen Spannungsbogen eingebettet." (Süddeutsche Zeitung 2012)

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Süddeutsche Zeitung, 26. September 2017

Eichenau

Virtuose Spielfertigkeit

Roggensteiner Konzertreihe endet mit barockem Klanggenuss

Von Klaus Mohr, Eichenau

Die Tage werden kürzer, und schon der Aufstieg zur Kapelle Roggenstein findet bei gedämpftem Tageslicht statt. Damit weiß man, dass die Konzertreihe dort für dieses Jahr zu Ende geht. Auch die Temperaturen in der Kapelle sind inzwischen alles andere als schwül-warm. Quasi ein Kontrastprogramm zum jahreszeitlichen Rückgang hatten sich die Blockflötistin Maria Hofmann und der Cembalist Christian Brembeck für den letzten Abend überlegt, der trotz der Bundestagswahl sehr gut besucht war: Italienische Concerti und Sonaten erinnerten an die Wärme des Sommers, virtuose Spielfertigkeit wirkte dem eher gedämpften Ambiente spürbar entgegen.

Blockflöten gibt es bekanntlich in verschiedenen Größen, und Maria Hofmann setzte in diesem Konzert auf verschiedene Instrumente. Mit der Größe veränderte sich nicht nur der Tonraum, sondern auch der Klangcharakter. So strömten in Adagio- oder Andante-Sätzen auf tieferen Flöten sonore Kantilenen in den Raum. Virtuose Passagen wirkten in hohem Tempo noch akrobatischer, wenn sie auf einer Sopranblockflöte musiziert waren, weil jeder Einzelton wie eine klangvolle Spitze in die Luft stach. Bei den meisten Werken dieses Abends kam dem Cembalisten die Rolle eines musikalischen Wegbegleiters zu, der akribisch dafür sorgte, dass die Melodiebögen den nötigen Stützgrund erhielten und die technisch brillanten Tonfolgen nicht die Bodenhaftung verloren. Aus beiden Teilen ergab sich ein sehr beeindruckender Konzertabend voll Kraft und Vitalität.

Eine Sinfonia in F-Dur des neapolitanischen Komponisten Alessandro Scarlatti eröffnete das Programm. In den vier Sätzen verbargen sich die typischen Charaktere solcher Werke: Punktierte Rhythmen im Stil einer französischen Ouvertüre bestimmten das Andante, munteres Laufwerk mit fast durchgehenden Sechzehntelketten das Allegro. Eine ausgedehnte Kantilene entfaltete sich im Largo, wobei die Blockflöte auf den langen Tönen nur sehr begrenzte Möglichkeiten für ein Vibrato hat. Dadurch ergab sich einerseits eine klare Stringenz in der Führung des Tons, andererseits bereicherten vielfältige Verzierungen einzelne Töne. Mit einem sehr kurzes Minuet endete die Sinfonia.

Drei Werke des Programms von Giuseppe Matteo Alberti, Nicola Fiorenza und Johann Adolph Hasse wurden erst vor wenigen Jahren in einem Manuskript entdeckt und erklangen alle hier im Konzert. In ihnen wurde ein wahres Feuerwerk barocker Spielkunst abgebrannt: Aberwitzige Tonrepetitionen im Allegro des Alberti-Stücks, die zu einem Raunen im Publikum führten, waren ebenso wie blitzartig abwärts rasende Tonleitern und akkurat zuckende Tongirlanden im Finalsatz der Cantata von Hasse zu hören. Eine kreisende Melodielinie bezog im Amorosa-Satz der Fiorenza-Sonate ihren Ausdrucksgehalt aus organischen Verzierungen.

Christian Brembeck bereicherte mit einer auf das Tasteninstrument und damit seine zehn Finger übertragenen Canzona für sechs Streichinstrumente ebenso das Programm wie mit einer Sonate in d-Moll aus der Feder des Sohnes von Alessandro Scarlatti, Domenico Scarlatti. Beide überraschten in ihrem klanglichen Reichtum. Die bange Frage angesichts des Weggangs von Christian Brembeck aus Eichenau beantwortete er zum Schluss selbst: Auch 2018 wird es wieder eine Konzertreihe in Roggenstein geben, und damit, so darf man vermuten, die Begegnung sowohl mit lieb gewordenen als auch mit neuen Künstlern. Auf das musikalische Gespür von Christian Brembeck dürfte auch 2018 Verlass sein.

 

 

 

 

Süddeutsche Zeitung, 27. Juni 2016

Eichenau Feuerwerk der Töne

Begeisterndes Konzert von Maria Hofmann und Christian Brembeck

Von Klaus Mohr, Eichenau

Maria Hofmann gehört mit ihren Blockflöten zu den alten Bekannten in der Roggensteiner Konzertreihe. Dies dürfte auch ein Grund dafür gewesen sein, warum die Kapelle am Sonntag Abend trotz Fußball-EM gut besucht war. Dabei war es sicher nicht die Blockflöte an sich, die für Begeisterung bei den Besuchern sorgte, sondern das virtuose Spiel von Maria Hofmann, das immer wieder aufs Neue faszinieren kann. Christian Brembeck unterstützte auch diesmal ihr Spiel am Cembalo. Auf dem Programm standen Werke aus dem italienischen Barock von Benedetto Marcello, Giuseppe Sammartini, Arcangelo Corelli, Alessandro Piccinini - und von Johann Sebastian Bach. Letzterer ist zwar kein Italiener, hat sich aber intensiv mit den Werken seiner Zeitgenossen aus Italien auseinandergesetzt. Diese Beschäftigung hat sich in zahlreichen Bearbeitungen von Concerti niedergeschlagen, die er für ein Tasteninstrument anfertigte.

Anders als die Traversflöte hat die Blockflöte einen sehr klaren Ton, der ein hohes Tempo bei den Spielfiguren zulässt, sofern der Musiker das leisten kann. Der virtuose Aspekt war einer der hervorstechenden beim Auftritt von Maria Hofmann, gepaart mit dem Spiel auf Blockflöten in unterschiedlicher Tonlage. Je höher der Ambitus einer Flöte liegt, umso spitzer und pointierter ist ihr Klang, je tiefer er liegt, umso wärmer und singender kann er ausfallen. Maria Hofmann verstand es allerdings nicht nur, Töne in hohem Tempo zu produzieren, sie machte aus diesen wunderbare Musik, wenn sie durch die Phrasierung bestimmte Tonfolgen zu einem Bogen zusammenfasste oder die einzelnen Töne präzise trennte. Das galt für die beiden Allegro-Sätze in der einleitenden Sonate in d-Moll von Benedetto Marcello, wobei der sehr rasche Schlusssatz die Hörer wie im "flow" mitnahm. Diese Art des scheinbaren Schwindels trat auch bei anderen schnellen Sätzen auf und begeisterte die Zuhörer. Geradezu stupend war die Technik der Flötistin auch in einem Allegro-Satz in der abschließenden Sonate in g-Moll von Giuseppe Sammartini, wodurch eine Art Steigerung im Feuerwerk der Töne erreicht wurde.

Die langsamen Sätze lebten von den stringent geführten Linien, die ihre Basis im zuverlässigen Atemstrom hatten. Dadurch entstand Spannung, die durch die gerade und schlichte Tongestaltung an Eindringlichkeit gewann. Noch ausdrucksstärker waren Sätze in Moll wie das Preludio der Sonate in g-Moll op. 5 Nr. 8 von Arcangelo Corelli. Maria Hofmann schöpfte aus innerer Ruhe heraus und musizierte die Linie in ganz fließendem Gestus. In den meisten Sätzen war Christian Brembeck der souveräne Unterstützer mit den zuverlässigen Akkorden, die eine Art Erdung des Gesamteindrucks ermöglichten. In manchen Sätzen wie der Sarabanda der Corelli-Sonate war der Cembalist auch für einen gleichbleibenden Puls verantwortlich, der zugleich Ordnung und Struktur vermittelte.

Christian Brembeck durchbrach den Reigen der Flötentöne mit zwei reinen Cembalobeiträgen: Zunächst verhalf er den zahlreichen Variationen in einer Ciaccona in F-Dur von Alessandro Piccinini zu Vitalität und klanglicher Präsenz, indem er in die beständige Tonfolge immer neue Veränderungen einflocht. Auch wenn eine Oboe besser singen kann als ein Cembalo, überzeugte die Transkription eines Concerto von Alessandro Marcello durch Bach. Viel Beifall und eine Zugabe belohnten die Zuhörer zum Schluss für ihren reichen Beifall.

Mittelbayerische, 5.10.2014, zum Programm "TWO2" mit dem Ensemble TWO

Beim gelungenen „Hofer experiment“ mit Flötistin Maria Dorner-Hofmann und Multiinstrumentalist Drake Mabry spielte die Stille eine tragende Rolle.

Experiment gelungen: Drake Mabry und Maria Dorner-Hofmann in der Hofer Burgkapelle Foto: Scheiner

VON MICHAEL SCHEINER, MZ

NITTENAU. Kann man Stille hören? Spätestens seit John Cages Komposition „4:33“ ist diese Frage für unsere Zeit beantwortet und hat nicht nur Konzertgängern neue (Hör-)Räume erschlossen. Beim zweiten Konzert „Hofer experiment“ in der Hofer Burgkapelle haben die Flötistin Maria Dorner-Hofmann und der Multiinstrumentalist Drake Mabry der Stille ebenfalls viel Platz eingeräumt.

Two nennen sich die beiden als Duo, „Two2“ ihr erstaunlich heterogenes Programm aus Tänzen, volkstümlichen und mittelalterlichen Melodien und zeitgenössischen Musikdichtungen. Gleich mehrere Kompositionen bezogen die Unhörbarkeit und Bewegungslosigkeit kompositorisch und spieltechnisch mit in die Musik ein.

Geräuschlos ist die Stille nie

„Silent Durations 50“, ein Stück des amerikanischen Ney-Spielers Mabry trägt die Absicht – fortdauernde Stille – bereits im Titel. Es besteht vorwiegend aus Pausen. Wie bei einem nächtlichen Spaziergang tauchen kurze klangliche Ereignisse, ein Motiv, ein Triller, ein langgehaltener Ton in Abständen auf, faszinieren oder verwirren und verschwinden, bevor sie erkannt und „richtig“ eingeordnet werden können. Oder ein heftiger Ausbruch der zwei unterschiedliche Flöten spielenden Instrumentalisten erschreckt – und verzieht sich im nächsten Moment wieder in die dunklen Nebel der Lautlosigkeit. Geräuschlosigkeit ist es nie, denn die Klänge des Ortes, das Atmen oder Scharren der Anwesenden füllen das Vakuum, wenn die Instrumente verstummt sind.

Trommeln in der Luft

Eine andere Form stillen Spiels praktizierte Mabry in „The Wonderful Widow of Eighteen Springs“ des großen – ernsthaften – Spaßvogels John Cage. Statt auf einem geschlossenen Klavierdeckel trommelte Mabry mit Fingerspitzen, Knöcheln und Handflächen auf einem Gitarrenkoffer – und manchmal eben nur in der Luft –, während Dorner-Hofmann Texte von James Joyce monoton singend herunterbetete. Mabry, der die hinreißend virtuose Flötenspielerin auch auf Rahmentrommel und Darbuka begleitete, spielte zwischen einigen Stücken auf einer selbstgebauten Bambusklarinette meditative Improvisationen. Jegliche Tageshektik oder innere Geschäftigkeit, die vielleicht noch vorhanden war, löste sich in diesen ruhigen, ein wenig verhangenen Klängen auf.

Nur wenige schnellere Stücke, wie der bulgarische Tanz „Smeseno Horo“, bezauberten mit rhythmischer Leichtigkeit. Eine kraftvoll-dichte Passage in „Daphnoé“ des französischen Zeitgenossen François Rossé, das Dorner-Hofmann auf der auch optisch schwer beeindruckenden Subbass-Flöte zupackend spielte, geriet zu einem der wenigen aufwühlenden, klirrenden Momente des ungewöhnlichen Konzerts. Nittenau ist mit seinen Musikveranstaltungen auf dem besten Weg, ein wahres Schatzkästchen zu werden.